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Rede Betriebsversammlung 01.10.2019 Sven Vaith

Guten Tag liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich bin Sven Vaith von der alternative und arbeite in Halle 1, wo die sogenannte Zukunftstechno­logie Hinterachse und Vorderantrieb des Elektro Autos EQ produziert wird.

Heute möchte ich hier einen Beitrag zur Umwelt versus Elektromobilität halten.

Wir haben das unter Kollegen diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das hier auf der Betriebsversammlung thematisieren wollen. Insofern wird das hier also ein inhaltlich gemeinschaftlicher Beitrag mehrerer Kollegen.

Bereits 1994, noch unter der Regierung Kohl, wurde die Deutsche Bahn AG gegründet, angeb­lich um die Bahn zu modernisieren.

2005, am Ende der Regierung Schröder waren dann der öffentliche Nah- und Fernverkehr weit­gehend ruiniert und ca. 6.500 angeblich unren­table Bahnkilometer stillgelegt.

Der Autokanzler Schröder und sein olivgrüner Umweltminister haben im neoliberalen Privat­isierungswahn nicht nur die Rentenformel zer­stört, sondern auch die Deutsche Bahn weitest­gehend kaputtgespart, was zu Lasten der Zuver­lässigkeit ging.

Viele der noch bestehenden Bahnkilometer müssten dringend grundlegend saniert werden, aber das würde ja die Gewinne schmälern.

Ein Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs würde Tausende Arbeitsplätze schaffen.

In der ganzen Privatisierungsdebatte wird immer betont, dass sich die Bahn und alle anderen öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbäder, Krankenhäuser usw. rentieren müssen.

Das ist genau so ein Schwachsinn, wie die These, dass ein Krankenhaus Gewinn erwirtschaften muss.

Diese öffentlichen Einrichtungen müssen einen gemeinnützigen Zweck erfüllen.

Bei der Bahn, die Beförderung von A nach B, beim Krankenhaus die Wiederherstellung unserer Gesundheit! Dafür zahlen wir Steuern und Krankenversicherung, ohne diese Zahlungen von uns allen wäre unser Gesundheitssystem gar nicht möglich!

Der öffentliche Verkehr sollte uns zu unseren Arbeitsplätzen befördern und damit die Umwelt und den Verkehr entlasten.

Umweltfreundliche Mobilität für alle, das ist gesellschaftlicher Reichtum, der aus Steuer­geldern unterstützt werden müsste.

Die wenigsten Wissenschaftler sind der Meinung, dass private Elektromobilität umweltfreundlich ist. Die Mehrheit von ihnen ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Bau der Batterien und der Aufbau der Infrastruktur so viel CO2 freisetzt, dass es eine ökologische Katastrophe ist.

Die Produktion der Elektroautos und der Akkus benötigt unglaublich viel Energie.

Für den Abbau von Lithium, welches für die Akku Herstellung benötigt wird, werden jetzt schon ganze Landschaften zerstört.

Meine Kollegen und ich haben dabei in Pausendiskussionen festgestellt, wie umweltbe­lastend wir in Halle 1 produzieren.

Wir müssen viele Plastikkappen entfernen und auch die Kabel aus Plastikhüllen auspacken. Alles das landet bei uns im Restmüll.

Vieles davon wohl später in unseren Welt­meeren, wo es bereits riesige Plastikstrudel und Tonnen von Ablagerungen gibt.

Aber wie decken wir diesen enormen Energie­bedarf der für die Batteriefertigung sowie später für Millionen von E – Autos und E – LKW benötigt wird?

Aus den Kohlekraftwerken die noch fast 20 Jahre laufen sollen? Na super, da haben wir richtig was gewonnen in Punkto CO2 Bilanz.

Das Elektroauto oder auch der E-LKW ist keine Lösung unserer Probleme, sondern eine absolute Sackgasse.

Wenn ich nun höre, dass jetzt einige Parteienvertreter völlig begeistert davon sind, die Autobahn mit Oberleitungen für LKW zu versehen bin ich fassungslos.

Die geschätzten Kosten für 1000 Kilometer Auto­bahn lägen da bei ca. eine Milliarde Euro. Staats­kosten versteht sich.

Die mittlerweile 28.000 Wissenschaftler die den Aufruf der „Science for Futur“ unterschrieben haben, fordern aber jetzt gegenzusteuern und nicht erst noch einmal auf Teufel komm raus Kohle zu verfeuern.

Genau das bedeutet aber der Ausbau der Elek­tromobilität.

Wenn jetzt von den Befürwortern gefordert wird, dass der Bund die Infrastruktur für die E-Autos bauen soll, dann sollten wir aufgeschlossenen Arbeiter und Steuerzahler Nein Danke sagen.

Wir brauchen einen öffentlichen Nahverkehr, gefördert mit Steuergeldern, Güter müssen auf die Schiene, der Handel muss regionaler werden und überflüssige Transporte abgeschafft werden.

Wir müssen den CO2 Ausstoß jetzt erheblich mindern, gemessen an dem ist das Paket der CDU geführten großen Koalition unbrauchbar.

Schlimmer es erhöht den Glauben das wir Dank der E-Mobilität (die es Verkehrsstrukturell noch gar nicht richtig gibt) so weiter machen können wie bisher!!!

Wir brauchen vor allem ein radikaleres Umdenken als gegenwärtig noch gesellschaftlich diskutiert wird, damit wir unseren Kindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen können.

Wir müssen die Spaltung von Umwelt und Arbeiterbewegung überwinden.

Dazu war der Umweltaktionstag am 20.September ein gelungener Anfang.

Denn nicht Umweltschützer vernichten Arbeits­plätze, sondern Konzerne.

Nicht wir Arbeiter zerstören die Umwelt, sondern die Konzerne und deshalb müssen wir diesen gemeinsamen Gegner einer lebenswerten Zu­kunft auch gemeinsam mit der Umweltbewegung bekämpfen.

Eine erste praktikable Maßnahme wäre das Recyceln aller Altautos verpflichtend für die Hersteller zu machen.

Dann würde es auch einen Anreiz geben lang­lebigere Produkte herzustellen.

Allgemein gesagt muss der Mensch und die Umwelt vor Profitinteressen stehen.

Damit bin ich am Ende meiner Rede.

Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit.

Euer Sven Vaith