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Rede Betriebsversammlung 01.10.2019 Ulf Wittkowski

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich war gerade am Montag der letzten Woche bei einer Veranstaltung:

Mit dem Elektroauto in die Sackgasse

Der Referent war Winfried Wolf. Er zählte 10 Gründe auf, warum das Auto und insbesondere die Elektroautos nicht die Lösung seien können. Er zeigte auf, dass E-Autos nicht die Verkehrsdichte mindern, sondern erhöhen, dass das E-Auto nicht zu einer sofortigen CO2 Reduzierung führt, selbst wenn wir davon ausgehen, dass es Emissionsfrei ist, was eben nicht der Fall ist. Doch da haben wir und gerade eben auch Sven Euch hinreichend informiert.

Ich möchte heute mit Euch einmal darauf schauen, wie es zu einer so drastischen Maßnahme wie den absoluten Ausgabenstopp kommen konnte. Der auch gleichzeitig die Ziele des Zukunftsbildes in Frage stellt!!!

Ihr wisst, die Wirtschaft, explizit die Autoindustrie steht vor Herausforderungen, die bis dato unbekannt waren. Dem Einen oder Anderem ist vielleicht schon eine erhöhte Nervosität des Vorstandes zu Ohren gekommen. Kein Wunder bei diesen Kosten. Weltweit investiert die Autoindustrie 350 Mrd. Euro in die E-Autos, davon allein ca. 150 Mrd. die deutsche Autoindustrie.

Der Weg scheint vorgezeichnet. Mit dem E-Auto in eine rosige Zukunft! Doch die Wirtschaft stößt wieder einmal, wie in den kapitalistischen Krisenjahren 2008/2009, an seine eigenen Grenzen!

Kurz zur Erklärung:  In unserem Wirtschaftssystem haben wir es immer wieder mit Zyklen zu tun. Besonders jetzt wo wir mit den Rekordjahren uns wieder in eine Überproduktionskrise manövriert haben. Diese Zyklen verschärfen sich durch eine hohe Sättigung. Schauen wir nur auf unseren Verkehr. Dann wird deutlich, dass das Auto, egal wie angetrieben, nicht wirklich mehr Mobilität erzeugt. In dieser Situation tätigt, nicht nur unsere Firma, Investitionen in astronomischer Höhe. Sie kommt zunehmend unter Druck! Einmal wirtschaftlich, weil die Absatzzahlen stark rückläufig sind und nicht mehr die erwünschten (und erwarteten) Einnahmen bringt. Zum anderen weil viele Menschen es sich schlichtweg nicht leisten können, jetzt noch ein neues Auto zu kaufen. Man darf halt auch nicht vergessen, dass die stark anwachsende prekäre Beschäftigung eben auch nicht mehr die Nachfrage nach den teuren Autos erfüllen kann. Da scheint es schon grotesk, wenn mit einem Mal die Regierung die E-Autos, die ja auch preislich über 50 Tsd. Euro angesiedelt sind, bezuschussen will.

Zum anderen, dass sich immer mehr mit dieser Thematik beschäftigen. Dank Greta ist das Thema Umwelt und Zukunft ins Bewusstsein vieler Menschen geraten, die sonst wohl auch gefressen hätten, was die Politik ihnen hinwirft.

Das Kapital steht also vor einer Herausforderung, einem Strukturwandel, den es noch nicht gegeben hat. Hohe Investitionen sind nötig, aber der Ertrag ist ungewiss. Man schießt „ins Blaue“ und hofft es richtig zu machen. Das eine Fehlinvestition und falsche Weichenstellung existenz­bedrohlich sein können weiß man in den Chefetagen.

Meiner Meinung nach ist der Ausgabestopp genau wie wir es mit Weihnachten halten. Obwohl wir den Kalender kennen sind wir immer wieder überrascht, dass es nun auch so kommt!

Jetzt möchte ich euch noch mit zwei Themen zum Nachdenken anregen.

Datenschutz

Die Datenschutzgrundverordnung verspricht uns einen erhöhten Datenschutz und dass unsere Rechte gestärkt werden.

Wir haben uns auch im Betriebsrat, auf Grund dieser Verordnung, ein Datenschutzkonzept gegeben. Dem haben wir als alternative auch zugestimmt! Wir vertreten die Meinung, dass wir Euch signalisieren müssen, dass wir mit Euren Daten vernünftig und vertrauensvoll umgehen. Doch das Gesetz fordert dies eigentlich vom Eigner der Daten und das ist das Unternehmen. Folglich hätten wir alle ein Datenschutz­konzept haben müssen. Wir, der Betriebsrat und der Personalbereich. Doch da versucht das Unternehmen uns im Umgang mit Daten einzuschränken und sogar Dritte, wie die GmbHs (SSC) können ohne große Einschränkungen auf Eure Daten zu greifen. Wir brauchen und haben laut Betriebsverfassungs­gesetz auch das Recht Eure Daten zu bekommen um Eure Interessen zu vertreten. So wird dieser Schutz zu einer Wissensfrage, die uns einschränkt, Euch gebührend zu vertreten!

Nachtschichtprozente

Wir haben für Euch dieses Thema platziert und Euch auch ständig darüber informiert, welche rechtlichen Grundlagen und Urteile gegen den jetzigen Umgang aus dem Manteltarifvertrag sprechen. Das Landesgerichtsurteil aus Bremen, welches deutlich aussagt, dass die Unterscheidung von Nachtschichten nicht statthaft ist, dem Kollegen recht gab und der Gewerkschaft ins Aufgabenheft geschrieben hat diesen Unrechtszustand aufzuheben.

Unsere Gewerkschaft hat, statt diesen Zustand für alle auf ein rechtlich befriedigendes Ergebnis zu bringen, es nur für das Daimler Werk in Bremen geändert!

Bei uns werden nun Monat für Monat die Rechte gesichert mit Androhung von Klagen. Doch es tut sich nichts! Wir haben im Betriebsrat nach der Tarifverhandlung darauf verzichtet nur etwas für das Werk Hamburg zu fordern. Wir waren der Meinung, dass diese Änderung flächenmäßig erfolgen muss!!

Doch warum ändert die Gewerkschaft diesen Unrechtszustand nicht? Sie braucht doch nur für die Mitglieder zu klagen.

Man könnte fast meinen, die Gewerkschaft ist unfähig geworden, unsere Interessen zu vertreten. Selbst bei so einer Steilvorlage der Justiz!

Ihr seht, wir sollten uns auf eine spannende Zeit einstellen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Euer Ulf