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Rede vom 27.03.2018

Rede Betriebsversammlung 27.03.2018

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das diesjährige Ergebnis zu den Betriebsratswahlen zeigt uns, dass wir in dieser Zeit viele von euch erreicht haben, denen eine Auseinandersetzung über die Zukunft unserer Arbeit wichtig ist!

384 Stimmen die sagen, wir müssen unsere Interessen gegenüber die des Unternehmens vertreten! Das zeigt wie toll ihr seid und wie dankbar nicht nur wir Euch dafür seien sollten.

In einer Zeit wo, wie auch die Wahl gezeigt hat, die Meisten mit ihrer Situation und mit einer Beschäftigungssicherung vollkommen zufrieden und glücklich in die Zukunft schauen.

In einer Zeit in der sich immer mehr von der Demokratie und Selbstverantwortung abwenden und der Trend zu einem starken (An-)Führer geht und sich dem unterzuordnen.

In 4 Stuttgart Standorten sind Rechte unter den Namen Liste Zentrum angetreten und konnten in 3 Werken Mandate erreichen. In Rastatt 3, in Sindelfingen 2 und in Untertürkheim 6. Woher kommt dieser Rechtsrutsch fragt man sich. Nichts aus der Geschichte gelernt? Ein Faktor ist sicher die Enttäuschung darüber, dass nur wenig erreicht worden ist und manch einem seine Interessen nicht umgesetzt wurden. Es kann aber auch daher kommen, dass wir bei Daimler zufrieden sind und uns zu wenig mit den Inhalten auseinandersetzen. Lebt man Demokratie nicht und verfolgt nicht die Auseinandersetzungen, kann man eben auch viel  leichter auf Bauernfänger hereinfallen. Dies konnten wir auch hier im Werk feststellen! Aber auch hier gibt es starke nationalistische Tendenzen. Doch bei uns sehen wir uns hauptsächlich ausländischen Nationalisten gegenüber, die uns teilweise am Tor bepöbelten. Kollegen, wir wollen doch frei sein und dazu müssen wir unsere Demokratie schützen und sie auch leben, auch wenn diese Demokratie noch Luft nach oben hat. Wir sollten uns zu schade dafür sein um uns verblenden zu lassen und Führern und Parolen hinterherzulaufen. Sie Schaden uns. Sie schaden uns in dem sie uns spalten und dadurch verlieren wir in der Auseinandersetzung um den Verkauf unserer Arbeitskraft, unseren Lohn und unsere Rechte.

Darum informiert Euch die alternative schon seit Jahrzehnten und macht die Betriebsratsarbeit transparent. Darum klären wir euch über Sachverhalte auf, damit ihr Entscheidung treffen könnt, die uns allen weiter helfen. Doch es wird uns nicht leicht gemacht, das haben wir wieder bei der Wahl gespürt. Die erwähnten Nationalisten haben unseren Wahlkampf behindert und unsere Plakate abgerissen und das systematisch. Meister äußern sich abfallend über uns. Sie schrecken auch nicht vor Lügen zurück. Das können wir im Fall von Guido Harz sogar nachweisen. Er behauptet schlichtweg, dass wir unsere Wahlplakate selber abgefetzt haben, anstatt sie ordentlich zu entfernen. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass das nicht richtig ist. Dort wo wir seiner Meinung nach unsere Plakate nicht ordentlich abgenommen haben waren sie schon seit dem 27.Februar 2018 nicht mehr vorhanden! Das obwohl wir am Montag, den 26.Februar erst die Plakate aufgehängt hatten. Doch selbst in dieser Demokratie würden wir von der Werkleitung und den Meistern mehr Engagement für einen demokratischen Prozess, wie es auch Betriebsratswahlen sind, erwarten.

Zurück zu den Inhalten!

Die Forderung nach den 25 % Nachtschichtzuschlag haben wir mehrfach proklamiert. Die IG Metall kam nicht drum herum, sie in den Forderungskatalog für die Tarifauseinandersetzung aufzunehmen. Dass die IG Metallküste dies nicht weiter verfolgte ist schade, denn auch in späteren Auseinandersetzungen wird es nicht ohne extra Auseinandersetzungen gehen. Immerhin hat dies der Gruppe eine Chance gegeben, die 4 Jahre dahinvegetiert hat und für euch keine Wege für die Zukunft erarbeitet hat. Eben, wie schon beschrieben, Inhaltslosigkeit mit guten Sprüchen bringt mehr als eine tiefere Auseinandersetzung mit unseren Problemen.

Wem es genügt das Ergebnisse glorreich dargestellt werden, wie auch dieses Tarifergebnis, kann zufrieden sein. Doch in Wirklichkeit ist das Ergebnis tarifdynamisch auf ein Jahr betrachtet unter 2%.

Doch am schlimmsten für uns alternative, die sich sehr mit der Analyse der Arbeitswelt von morgen unter Industrie 4.0 und Digitalisierung auseinandersetzt, ist, dass die wirkliche Arbeitszeitverkürzung der 35 -Stundenwoche, einer individuellen temporären Arbeitszeitverkürzung, und das nur unter persönlichen Voraussetzungen, geopfert wird. Ein Baustein der wirklich einen positiven Einfluss auf die Gestaltung unserer Arbeitsplätze von morgen gehabt hätte.

Doch es ist ja auch nicht verwunderlich, wenn man im täglichen Kampf um die Existenz für sich und seine Familie ein etwas besseres Leben haben will, arbeitet man halt etwas mehr. Dadurch hat man dann auch die Möglichkeit sein Leben etwas besser zu gestalten, mit dem Preis etwas weniger mit der Familie zusammen zu leben.

Doch der Preis ist wesentlich höher!!! Wir haben das alles, auch die 35 Stundenwoche, nur erreicht, weil wir gemeinsam dafür gekämpft haben. Wir haben es KOLLEKTIV erstritten! Nun gehen wir bei und geben es individuell Preis. Das passierte auch schon mit den Sonderschichten! Doch anstatt unsere Reihen zu schließen macht die Gewerkschaft Propaganda für individuelle Lösungen.

Wir sind auch Gewerkschafter und Mitglieder in der IG Metall! Wir alternative halten diese Wandlung für fatal. Alles was wir an Rechten und tariflichen Erfolgen haben ist geschichtlich gewachsen und beruht auf unsere kollektiven Stärke, die Misserfolge entsprechend auf unserer kollektiven Schwäche!!!

Der Unternehmer kauft unsere Arbeitskraft. Ohne Gewerkschaft würden wir alle Miteinander in Konkurrenz stehen. Mit anderen Worten, die Unternehmen haben die Macht auszuwählen und den Preis unserer Arbeitskraft zu drücken. Dies gelingt ihm umso besser je weniger wir uns organisieren und umso mehr wir einzeln unsere Arbeitskraft  anbieten. Da wir uns Anfang des 19.Jahrhunderts immer mehr organisierten, Gewerkschaften bildeten, haben die Unternehmer uns unter diesem Druck  ein Zugeständnis machen müssen. Das Arbeitsrecht, in Form des Betriebsverfassungsgesetzes. Dies war nicht unbedingt das Tollste was man sich vorstellen kann, doch zum ersten Mal nach der bürgerlichen Revolution in Frankreich wurde anerkannt, das Arbeiter Rechte haben.

Dies könnte man noch weiter Ausweiten, doch was wir rüberbringen wollen ist damit ausgeführt. Es ist zum Scheitern verurteilt wenn wir uns weiter aufspalten lassen und unsere Interessen vereinzeln, statt sie Kollektiv zusammenzuführen und zu erkämpfen und zu verteidigen!!!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das war die Rede der alternative. Ich hoffe sie hat etwas dazu beigetragen zu verstehen, wie wichtig es ist sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen und sie in demokratischen Prozessen einfließen zu lassen, statt Bauernfängern auf den Leim zu gehen. Aus diesem Grunde ist es für uns alle so wertvoll, dass 384 Kolleginnen und Kollegen diese Auseinandersetzung führen und die alternative gewählt haben. Auf das uns allen Bewusst wird welche Auseinandersetzungen auf uns zu kommen. Deshalb:

„Unternehmensinteressen sind unseren Interessen entgegengesetzt.“

Erinnert Euch doch nur an die Krise 2008/9, wo Daimler deutlich zeigte, wie ernst sie Sicherungsverträge mit uns nehmen!

Wir, die alternative wüscht Euch und Euren Familien Frohe Ostern.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative